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Das Trommeln hat in Japan eine lange Tradition. Nach der mythologischen Vorstellung spielte die am Himmel scheinende Große Gottheit Amaterasu eine wesentliche Rolle bei der Entstehung Japans und gilt als Urahnin des japanischen Kaisers. Sie personifiziert die Sonne und das Licht und wird in unzähligen Festen mit dem Spiel der Taiko gewürdigt, da ihr Klang Amaterasu einst aus der Finsternis ihrer Höhle gelockt haben soll und so das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse wieder hergestellt habe.
War es in höheren Kreisen eher verpönt, so hatte es im dörflichen Leben in der Beschwörung der Götter für eine bessere Ernte oder einen ertragreicheren Fischfang eine umso größere Bedeutung. Viele der Taikostücke sind vor diesem mystischen Hintergrund von Generation zu Generation überliefert worden.

Nachdem die Taikoklänge zur Untermalung und Begleitung von Theaterstücken und religiösen Zeremonien entdeckt worden sind, wurde erst Anfang des 20. Jh. der Stil geprägt, der japanisches Taiko heute bei so vielen auch im Westen bekannt und populär gemacht hat: in Anlehnung an die traditionellen Stücke und deren urtümlichen Charakter stehen nun nicht mehr nur Technik und Rhythmik, sondern vielmehr auch die Bewegung, die Performance im Vordergrund, um auf das aufmerksam zu machen, was für die Japaner yamato damashi bedeutet, die Seele des alten Japans. Der besondere Reiz für uns Langnasen jedoch liegt nach wie vor in den eindringlichen Rhythmen, die den Herzschlag gefangen nehmen können und die an archaischen Grundgefühlen zu rühren vermögen.

Heute wird in Japan auf den vielen und zu einem Großteil religiös verwurzelten Festivals in Sommer und Herbst – jeweils in Anlehnung an lokale Traditionen - Taiko gespielt. Trotz der scheinbaren Extrovertiertheit ihres Spiels verbleiben die Spieler in einer stoischen Grundhaltung – man könnte meinen, dass sie auch heute die Aufmerksamkeit der Götter auf ihre Stadt oder ihr Dorf lenken und mit ihrem Spiel deren Wohlwollen hervorrufen möchten.

Diese tiefe Verwurzelung mit der japanischen Seele und die Bedeutung traditioneller Klänge wie der Shamisen und der Taiko lassen vermuten, dass ein derartiger Ausdruck tief sitzender Gefühle Nicht-Japanern vorenthalten bleiben sollte.

Vom Jazz kommend, gilt Daihachi Oguchi, der Gründer von Osuwa Daiko, als der erste, der traditionell überlieferte Stücke in Anlehnung an ein Drum-Set auf verschieden klingende Trommeln zu verteilen begann, indem ein Ensemble als Drum-Set fungierte: die Basisrhythmen wurden nun auf einer hoch gezogenen Shime daiko und die Akzente wurden auf den tief und voll klingenden Nagado daikos gespielt. Seitdem hat die Beliebtheit, gerade unter jungen Leuten, sicher zugenommen und es entwickelten sich immer mehr Gruppen, die als Ensembles auftraten.

Daihachi Oguchi hat viele der populären Stücke geschrieben, die inzwischen weltweit Verbreitung gefunden haben und so den Geist seiner Stücke hinaustragen in die Welt. Mehr Informationen zu Daihachi Oguchi und seinem Einfluss findet sich auf der Seite des nach seinem Tod ins Leben gerufene Hiryu Sandan Gaeshi Project.

So denken viele der heute auch mehr und mehr im Ausland unterrichtenden japanischen Taikolehrer an den Geist, der über das Spiel der weitergegebenen Stücke hinaus getragen werde. Vor diesem Hintergrund tragen die unzähligen Taikogruppen in der ganzen Welt eine gewisse Mitverantwortung, diesen guten Wunsch niemals aus den Augen zu verlieren.